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Aktuelle Nachrichten zum Thema Ausbildungen mit Zukunft

30.06.2017

Diakoniewerk rückt die individuellen Bedürfnisse von Menschen im Alter in den Blickpunkt

Erni Mangold bei den Diakonie Dialogen

LINZ/GALLNEUKIRCHEN. Mit dem Titel „Bitte (nicht) berühren“ der diesjährigen Diakonie-Dialoge macht das Diakoniewerk nicht nur auf die unterschiedlichen Bedürfnisse von Menschen im Alter aufmerksam, sondern fordert auch ein intensiveres Hinschauen und Eingehen auf diese individuellen Bedürfnisse. „Wir müssen uns von einem isolierten Blickpunkt der Pflege verabschieden und einen größeren Blick auf die Bedürfnisse älterer Menschen werfen. Menschen wollen möglichst autonom leben und dies doch in gewisser Sicherheit“, unterstreicht Vorstandsvorsitzender Mag. Josef Scharinger in seinen Eröffnungsworten. „Tatsache ist, dass die Anforderungen an das Älter- und Altwerden bunter und individueller geworden sind. Unsere Antworten auf diese Anforderungen sind hingegen häufig nicht mehr die gewünschten, decken sich nicht mehr mit den Vorstellungen der Menschen und des Umfeldes. Wichtig ist daher Alter endlich in die Mitte einer sich wandelnden Gesellschaft zu rücken und neue Konzepte für ein würdevolles Leben im Alter bereitzustellen.“

Das Thema der diesjährigen Diakonie-Dialoge „Bitte (nicht) berühren!“ - Bedürfnisse und Grenzen in der Seniorenarbeit hat diese Faktoren aufgenommen. Berührungen sind in der Seniorenarbeit und in der Pflege unumgänglich und für eine gelungene Beziehungsgestaltung von hoher Bedeutung. In seinem Referat „Die Macht der Berührung“ zeigte Dr. Cem Ekmekcioglu von der Medizinischen Universität Wien auf, welch hohe Bedeutung (positive) Berührungen in unserem Leben haben. Im Gegensatz zu den anderen vier Sinnen, deren Funktionen im Alter abnehmen, ist der Tastsinn bis ans Lebensende in Takt. Positive Berührungen – je langsamer, desto angenehmer – sind generell lebensnotwendig. Bei Menschen mit Demenz eingesetzt, können Massage und Berührungen helfen, Verhaltensauffälligkeiten zu reduzieren und die Schlafqualität zu verbessern. Durch Studien ist belegt, dass allein eine 10- bis 15-minütige Handmassage Aggressivität signifikant reduzieren und eine bessere Entspannung bewirken kann.

Mit einem weitgehend tabuisierten Thema setzte sich Gabriele Paulsen von der Organisation Nessita/Hamburg auseinander: mit Erotik im Alter. „Erotik ist keine Jugendbewegung! Solche Bedürfnisse sind natürlich und nicht veränderbar“, erklärte sie. Nessita bietet Sexualassistenz für
KlientInnen ambulanter Dienste, BewohnerInnen von Pflegeeinrichtungen und Menschen mit Behinderungen an. Natürlich braucht es für diese Dienstleistung klare Richtlinien, doch sieht Paulsen diese als ebenso selbstverständlich wie Friseur, Fußpflege oder Therapien.

Für Kammerschauspielerin Erni Mangold, die 92-jährig mehr denn je auf der Bühne und in Filmen berührt, ist das Körperbewusstsein, das Sich-öffnen-können, das Wichtigste. Demütig und berührt ist sie selbst, erzählt sie im Gespräch bei den Diakonie-Dialogen, wenn Menschen mit sichtbar körperlichen Einschränkungen ihr Leben dennoch bewältigen und meistern.

„Stell dir vor, du pflegst dich selbst“ – eine der Orientierungsgrößen von Karin Ebner und Monique Weissengruber-Leduc, die in ihrem sehr praxisnahen Vortrag von partnerschaftlicher Betreuung und Pflege, der Wichtigkeit von Biografiearbeit, des Zeigens von Gefühlen im Alltag uvm. sprachen, im Kontext ihrer Arbeit in einem Seniorentageszentrum in Niederösterreich.

„Heute wird man beim Thema des Älter- und Altwerdens und bei der Pflege rasch in eine medial sehr präsente Welt gerissen, die der Finanzierung, der scheinbaren Kostenexplosionen. Emotionen sind hier wenig gefragt. Gesellschaftspolitisch geht es hingegen um eine gute Gestaltung des langen Lebens und auch um eine gute Gestaltung des Lebens mit Demenz. Größtmögliche Autonomie und Selbstbestimmung, Alltagsnähe und Normalität sind hierbei jedenfalls gewollt“, betont Scharinger. Das Diakoniewerk antwortete 2007 mit dem Modell der Hausgemeinschaften, heute als „Kleeblatt-Modell“ weiterentwickelt, das einen Kleinverbund von nur wenigen Hausgemeinschaften, auch für kleinere Gemeinden vorsieht. Neue Generationenwohnprojekte im Sinne des Quartiersgedankens stehen für Autonomie, aber auch Gemeinschaft, altersgemischt, für Menschen mit und ohne Beeinträchtigung. Diese Konzepte sind bereits Realität. Das Diakoniewerk begleitet vier von diesen Wohnprojekten in Oberösterreich und Salzburg.

Mehr als 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren am Donnerstag 29. Juni zu Gast in der Voestalpine Stahlwelt bei den 23. Diakonie-Dialogen, eröffnet von Landtagsabgeordneten Dr. Wolfgang Hattmannsdorfer und Stadträtin Karin Hörzing. Für 2018 hat das Diakoniewerk bereits sein Thema gewählt. „Verwirrt, verrückt, verloren? – Halt und Orientierung geben bei Demenz und anderen psychischen Erkrankungen“. Wann? Am 29. Juni 2018 in Salzburg.

Fotos: Diakoniewerk, Abdruck honorarfrei

Bildtitel DW 1849: Kammerschauspielerin Prof.in Erni Mangold berührt heute mehr denn je in Filmen und auf der Schauspielbühne - gewohnt authentisch brachte die 92-Jährige ihre Erfahrungen zum Thema ein.

Bildtitel DW 1766: Rund 300 TeilnehmerInnen waren zu Gast bei den diesjährigen Diakonie-Dialogen in Linz - am 29. Juni 2018 rückt das Diakoniewerk Demenz in den Fokus.

Bildtitel DW 1814: Mit dem Tag der Umarmung am 29. Juni wurden Berührungen auch gleich sichtbar und spürbar – SchülerInnen der SOB Gallneukirchen luden ein zu „free hugs“.


Rückfragen:
Mag.a Daniela Scharer, MBA
Kommunikation & PR
Diakoniewerk (Zentrale)
Telefon 07235 63 251 128
Mobil 0664 220 16 25
d.scharer@diakoniewerk.at


Erni Mangold bei den Diakonie Dialogen 300 TeilnehmerInnen besuchen die Diakonie Dialoge 2017 Tag der Umarmung